Abscheider

Entscheidungshilfe für den Neukauf

Billig ist nicht immer gleich günstig - Koaleszenzabscheider sind für die meisten Betreiber von Tankstellen, Werkstätten oder Waschanlagen ein Randthema, Wartung und Sanierung meist eine eher lästige Pflichtübung. Das ist kein Wunder: Bis auf einen Gullydeckel kommt bei der Investition nichts Sichtbares heraus, denn Gewinne wirft ein Abscheider nicht ab. Trotzdem lohnt es sich, in hochwertige Produkte, eine professionelle Planung und eine saubere Ausführung zu investieren. Schließlich können die Folgekosten für die Sanierung und den laufenden Betrieb teuer werden.

Ein wichtiger Grund dafür ist die geänderte Gesetzeslage, die strengere Kontrollen vorsieht. So sieht die DIN 1999-100, die die europäische Basisnorm DIN EN 858 ergänzt, alle fünf Jahre eine Generalinspektion vor. Bestandteil der Prüfung ist seit 2003 auch eine umfangreiche Dichtheitsprüfung bis zur Schachtabdeckung. Außerdem sind die Betreiber zur monatlichen Eigenkontrolle durch einen Sachkundigen verpflichtet. Auch die Einhaltung der halbjährlichen Wartung und die regelmäßige Entsorgung sind Teil des Pflichtenkataloges.

Strenge Pflichten, wenig Wirkung: Rund 90 Prozent der Altanlagen und 60 Prozent der neueren Anlagen weisen Mängel auf. Der Gesetzgeber legt den Betreibern also durchaus strenge Pflichten auf, zumal Deutschland als einziger Mitgliedstaat der EU eine Kunststoff-Beschichtung zwingend vorschreibt. Trotzdem weisen rund 90 Prozent aller Altanlagen und rund 60 Prozent der geprüften neueren Anlagen Mängel auf.

Undichtigkeiten im Schachtaufbau kommen besonders häufig vor

Ganz oben auf der Mängelliste älterer Anlagen stehen Undichtigkeiten im Schachtaufbau – die meisten Anlagen bestehen die Dichtigkeitsprüfung nicht. Dafür gibt es verschiedene Gründe: Teils wird die Verbindung zwischen den Aufsatzringen in der Einstiegsöffnung oder zwischen Deckel und Monolith nicht entsprechend der DIN 4034-1 ausgeführt – also ohne Elastomerdichtung auf dem Spitzende und Gleitmittel.

An der Tagesordnung sind auch defekte Kunststoffbeschichtungen im monolithischen Teil der Abscheider. Jüngere Anlagen sind in der Regel weniger auffällig, dennoch kommen Montagefehler wie vergessene Dichtungen oder undichte Zulaufleitungen häufiger vor. Unsere Einschätzungen zufolge ist die fehlende Sachkenntnis bei Neubau und Sanierung eine wichtige Ursache für diese Probleme. Bei der Planung sollte vor allem darauf geachtet werden, die Abscheider möglichst abseits der befahrenen Flächen zu platzieren. Leider wird dieser Grundsatz oft nicht befolgt. Zum Teil werden die Abscheider aber auch in Hanglagen oder nicht überhöht eingebaut. Bei Starkregenfällen staut sich dann das ölhaltige Abwasser in der Abscheideranlage auf und dringt durch den undichten Schachtaufbau oder die Abdeckung in die Erde ein.

Harte Anforderungen im laufenden Betrieb: Verkehrsbelastungen sind die Schadensursache Nummer eins

Stellt man die Frage nach den Schadensursachen, so stellt sich heraus: Vor allem äußere, mechanische Belastungen überrollender Fahrzeuge machen dem Schachtaufbau zu schaffen. Fährt ein Fahrzeug über die Schachtabdeckung, so üben die Reifen einen einseitigen Druck auf das Schachtoberteil aus (siehe Schadensszenario 1). Solche dynamischen Be- und Entlastungen verursachen kleinste Auf- und Abwärtsbewegungen zwischen den Einzelteilen des Schachtes. Bei nicht elastischen Verbindungen – beispielsweise Mörtelschichten – wird die maximale Dehnbarkeit der Fugen schnell überschritten. Dadurch entstehen kleinste Risse am Mörtel zwischen den Ausgleichsringen und an der Kunststoffbeschichtung.

Dynamische Belastung durch Straßenverkehr


Schadensszenario, Teil 1: Fahrzeuge verursachen dynamische Be- und Entlastungen und bringen damit Bewegung in vorhandene Bauteilfugen. Häufige Folge: Verschiebungen und Risse im Baukörper.

Setzung der Fahrbahn


Schadensszenario, Teil 2: Überstehende Schachtaufbauten führen zu zusätzlichen Horizontalkräften und Verschiebungen der Auflageringe. Ein anpassungsfähiger Kunststoffschacht verhindert dies gänzlich.

Fahrbahnabsenkungen stellen ein weiteres Problem dar. Abscheider liegen immer unter einer Fahrbahndecke, die etwa durch Erdbewegungen absacken kann. Ist das Abscheiderbauwerk unbeweglich, so kann die Schachtabdeckung aus der Fahrbahn sprichwörtlich „herauswachsen“ (siehe Schadensszenario 2). Die überrollenden Fahrzeuge drücken dann auf den oberen Abscheiderbereich, also auf Schachtabdeckung und Ausgleichsringe. Verschiebungen und Risse in der Beschichtung sind die Folge.

Schadensszenario, Teil 3: Risse im Fugenbereich führen zu Ex- und Infiltrationen. Mangelhafte Beschichtungen führen zu Blasenbildung und flächigen Ablösungen der Beschichtung von der Behälterwand.

Dichtungen vor mechanischen Belastungen schützen: Ein verstellbares Aufsatzstück macht’s möglich

Damit stellt sich die Frage, wie der Schachtaufbau mechanische Einwirkungen aufnehmen kann, ohne dabei Schaden zu nehmen. „Um undichte Stellen auf ein Minimum zu reduzieren, müssen die Verbindungen zwischen Schachtkörper und Konus so flexibel sein, dass sie die Lasten mechanischer Einwirkungen aufnehmen. Starre Verbindungen sind hier im Nachteil gegenüber elastischen Verbindungen“, erklärt Martin Schanz, zuständiger Produktmanager bei KESSEL. Zur Anpassung an den Fahrbahnbereich haben die Produktentwickler daher ein höhenverstellbares Aufsatzstück entwickelt, das Neigungen von bis zu fünf Grad aufnehmen kann. Auch bei hohen Belastungen bleibt der gesamte Abscheider dicht, weil die Konusdichtung von der dynamischen Belastung entkoppelt wurde – sie wird auf die Tragschicht abgewälzt (siehe Schadensszenario 2). Axiale Verschiebungen des Aufsatzstückes haben somit keinen Einfluss auf die Dichtwirkung. „Gerade im Hinblick auf die Dichtigkeitsanforderungen der Baugrundsätze der DIN 1999-100 ist das eine begrüßenswerte Konstruktion“.

Undichte Stellen auf ein Minimum reduzieren

Zum anderen können nur dort, wo überhaupt Fugen bestehen, auch Leichtflüssigkeiten austreten. „Also haben wir die Zahl der Verbindungen so niedrig wie möglich gehalten“, so Schanz weiter. Die Abscheider bestehen aus einem monolithischen Behälter mit integriertem Dom für die Abscheideranlage und haben nur eine einzige Verbindungsstelle – und zwar zwischen Basisbehälter und Aufsatzstück. Bei der Auslegung des Dichtsystems orientierte sich das Unternehmen an den guten Erfahrungen und bewährten Normen aus dem Kanalgrundrohr-Bereich. KESSEL verwendet ein Dichtsystem aus Elastomerdichtung und Dichtlippen.

Ein weiterer Pluspunkt für die Sicherheit: Das Aufsatzstück lässt sich nur mit eingelegter Dichtung montieren. So sind Korrekturen schon während des Einbaus möglich. Alle Abscheider bestehen ausschließlich aus hochfestem Polyethylen (PE-HD). Den Ausschlag dafür geben die hervorragenden Eigenschaften bei Einbau und Betrieb. PE-HD lässt sich einfach reinigen, ist auch auf Dauer hoch chemikalienbeständig und sehr leicht. Das erspart Arbeitszeit bei Transport und Montage, außerdem benötigt der Verarbeiter kein schweres Baugerät.

Ein weiterer Vorteil ist die Schlagzähigkeit: Schäden an Schacht oder Ausgleichsringen, die beim Transport entstehen, gibt es bei Kunststoff nicht. Als einziger Hersteller in Deutschland besitzt KESSEL eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung vom Deutschen Institut für Bautechnik (DIBt).

Auf Dauer zahlt sich die Formel „Geiz-Ist-Geil“ beim Einbau von Abscheidern nicht aus:

Denn die festgestellten Schäden bei einer Generalinspektion muss der Eigentümer nach DIN 1999-100 sofort beseitigen lassen. Die Kosten dafür variieren mit den Schadensbildern, liegen aber im dreistelligen, häufiger im vierstelligen Bereich. Werden Erdreich oder Grundwasser verseucht, kann im Einzelfall der Schaden auch im fünf oder sechsstelligen Bereich liegen. Nach der Sanierung ist darüber hinaus noch eine weitere kostenpflichtige Prüfung fällig, bei der ein Sachverständiger den vorschriftsmäßigen Zustand der Anlage überprüft. „Betreiber sollten außerdem bedenken, dass Koaleszenzabscheider meistens für eine lange Zeit genutzt werden. Neben den Investitionskosten fallen also auch Kosten für Betrieb, Wartung, Unterhalt, Sanierung und Ersatzinvestitionen an, die sich über die Jahre aufaddieren“, so Produktmanager Schanz. Auf diese Folgekosten hat KESSEL bei der Entwicklung seiner Modelle genau geachtet. Zum Beispiel ist die Durchströmung der Abscheider so optimiert, dass hohe Abscheideleistungen schon bei einem geringen Gesamtvolumen erzielt werden. Auch bei Stoßbelastungen kann der selbsttätige Verschluss nicht vorzeitig verschließen und einen Aufstau verursachen. Damit die Ölspeicherkapazität optimal nutzbar. Das vergrößert die Entsorgungsintervalle und senkt die Kosten für den Betreiber.

Die wichtigsten Normen

DIN EN 858 Teil 1: Abscheideranlagen für Leichtflüssigkeiten (z. B. Öl und Benzin) – Teil 1: Bau-, Funktions- und Prüfgrundsätze, Kennzeichnung und Güteüberwachung; Deutsche Fassung EN 858-1:2002 + A1:2004

DIN EN 858 Teil 2: Abscheideranlagen für Leichtflüssigkeiten (z. B. Öl und Benzin) – Teil 2: Wahl der Nenngröße, Einbau, Betrieb und Wartung; Deutsche Fassung EN 858-2:2003

DIN 1999-100: Abscheideranlagen für Leichtflüssigkeiten – Teil 100: Anforderungen für die Anwendung von Abscheideranlagen nach DIN EN 858-1 und DIN EN 858-2

DIN EN 1610: Verlegung und Prüfung von Abwasserleitungen und -kanälen; Deutsche Fassung EN 1610:1997

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